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Maßnahmenkatalog
© PixabayIm Folgenden sind die Maßnahmen beschrieben, die zur Transformation der Wärmeversorgung in der Samtgemeinde Harsefeld beitragen können. Unterschieden wird dabei in Übergeordnete Maßnahmen (Ü), die Prozesse und Strukturen auf Samtgemeinde-Ebene betreffen, Maßnahmen zum Aufbau von Wärmenetzen (WN) und Maßnahmen zur Beteiligung der und Kommunikation mit Akteuren (B), die am Gelingen der Wärmewende mitwirken müssen.
Übergeordnete Maßnahmen (Ü1)
Ü1: Klärung der Rolle der Samtgemeinde und der Mitgliedsgemeinden in der Umsetzung
Die Samtgemeinde Harsefeld verfügt über kein eigenes Stadtwerk, das als Betreiber für Wärmenetze in Betracht kommt. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Rollen der Samtgemeinde und der Mitgliedsgemeinden für die Umsetzung der Wärmenetz-Maßnahmen zu klären, um das privatwirtschaftliche Engagement der Energieakteure zu nutzen und zu fördern und gleichzeitig kommunalen Einfluss und das Gelingen der Wärmewende sicherzustellen.
Ü2: Fortschreibung und Controlling der Kommunalen Wärmeplanung und der Maßnahmen
Das räumliche Konzept sowie die Maßnahmen der Wärmeplanung werden fortlaufend aktualisiert und regelmäßig auf ihren Umsetzungsstand überprüft. Zudem werden Energie- und CO₂-Bilanzen sowie die gesamte Wärmeplanung alle fünf Jahre fortgeschrieben und dem Rat der Samtgemeinde vorgelegt.
Mit dieser Maßnahme soll erreicht werden, dass das die Samtgemeinde Harsefeld kontinuierlich einen guten Überblick über das Gelingen der Wärmewende hat, rechtzeitig nachsteuern kann, um die Zielerreichung zu gewährleisten, sowie stets den aktuellen Status der Planungen abbilden kann, um über den Stand der Umsetzung zu berichten.
Ü3: Prüfung Windstromnutzung für Wärmezwecke
In dieser Maßnahme sollen für die Prüfgebiete und potenziellen Wärmenetzgebiete der Samtgemeinde die Möglichkeiten zur lokalen Sektorenkopplung und dem Einsatz von Windstrom in Wärmenetzen konkret betrachtet und bewertet werden. Wenn möglich und sinnvoll, soll ein Pilotvorhaben entwickelt werden, das als Blaupause für weitere Projekte in der Samtgemeide dienen kann. Mögliche Gebiete in unmittelbarer Nähe zu (geplanten) Windparks sind das Prüfgebiet in Ruschwedel, das Prüfgebiet im Gewerbegebiet Süd- Ost/Weißenfelder Straße in Harsefeld, das Prüfgebiet in Ahrenswohlde und das potenzielle Wärmenetzprüfgebiet im Ahlerstedter Ortskern.
Aufbau von Wärmenetzen (WN)
WN1: Aufbau Wärmenetz Harsefeld Ortskern
Im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung hat sich das Gebiet im Harsefelder Ortskern für den Aufbau eines Wärmenetzprüfgebiets als potenziell wirtschaftlich sinnvoll ergeben. Das Gebiet liegt zwischen dem Bestandsnetz der HanseWerk Natur GmbH im Osten und dem Konzeptgebiet Steinfeldsiedlung im Westen. Das Gebiet hat eine Fläche von 212,40 ha. Es befinden sich 1511 in diesem Gebiet, 22 Gebäude davon sind denkmalgeschützt.
Falls ein potenzieller Netzbetreiber gefunden wird, sind technische Planung, Finanzierung und Kundenakquisition wichtige nächste Schritte.
WN2: Prüfung und Erschließung der Prüfgebiete in Harsefeld zur Wärmequellenerschließung des Kernnetzes
In dieser Maßnahme werden verschiedene Prüfgebiete in Harsefeld zusammen betrachtet. Darunter das Gewerbegebiet "Im Sande" im Nordosten, das Gewerbegebiet "Weißenfelder Straße" im Südosten, die Erschließungsstraße des Klärwerks im Norden, sowie die Erschließung storengy im Südwesten Harsefelds. Das Gebiet hat eine Fläche von 115,62 ha. Es befinden sich 586 Gebäude in diesem Gebiet, 3 Gebäude davon sind denkmalgeschützt.
Je nach präferiertem technischem Konzept im Wärmenetz Harsefeld Ortskern (WN1) werden unterschiedliche Leitungen zur Erschließung der jeweiligen Wärmequellen nötig. Entlang dieser Trasse können mit geringem Aufwand die naheliegenden Gebäude mitversorgt werden. Die Maßnahme soll im Zuge der Machbarkeitsstudie zur Maßnahme WN1 mit geklärt werden.
WN3: Fortführung der Planungen Steinfeldsiedlung und Berücksichtigung des zu prüfenden Wärmenetzes in Harsefeld (WN1)
Die Steinfeldsiedlung befindet sich im Westen von Harsefeld und besteht überwiegend aus Ein- und Zweifamilienhäusern. Es gibt bereits eine vorliegende technische Konzeption für die Steinfeldsiedlung, die diese isoliert unter Berücksichtigung der Ankerkunden Eissporthalle, Rathaus und Schwimmbad betrachtet hat. Da die Kommunale Wärmeplanung ein Wärmenetzpotenzial östlich angrenzend identifiziert hat, ist zu prüfen, ob eine gemeinsame Wärmeversorgung zielführend ist. Dazu sind die Ergebnisse der Maßnahmen Ü1 und WN1 zu berücksichtigen. Die Betreiberschaft ist ebenfalls noch zu klären.
WN4: Aufbau Wärmenetz Harsefeld Süd / Jahnstraße, Synergien mit Wärmenetz Harsefeld Ortskern prüfen
Das Gebiet befindet sich im Süd-Westen von Harsefeld mit einer Fläche von 35,45 ha unmittelbar südlich des Bahnhofs und der Bahntrasse. Die Bebauung mit 358 Gebäuden ist vorwiegend durch Einfamilienhäuser gekennzeichnet, es sind nur wenige gewerbliche Flächen vorhanden.
Seitens der HHB Agrarenergie GmbH besteht Interesse, dieses Gebiet durch ein Wärmenetz zu erschließen. Durch das Unternehmen wird bereits das unmittelbar angrenzende Wärmenetz für die Schulen und das Seniorenheim betrieben. Die Ergänzung um ein weiteres Netz durch den gleichen Betreiber scheint daher sinnvoll. Entsprechende Machbarkeitsstudien bzw. Planungen sollen angefertigt werden. Hierbei könnte auch der angedachte, 1,3 km entfernte Wasserstoff-Kavernenspeicher als Abwärmepotenzial genauer betrachtet werden. Eine Verzahnung mit der geplanten Maßnahme WN1 ist wünschenswert.
WN5: Aufbau Wärmenetz Ahlerstedt Ortskern Gemeinde Ahlerstedt
Im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung hat sich in erster Einschätzung die zentrale Wärmeversorgung im Gebiet im Ortskern von Ahlerstedt als wirtschaftlich sinnvoll ergeben. Das Gebiet hat eine Fläche von 21,93 ha, ist ein heterogenes Gebiet mit 158 Gebäuden - überwiegend bestehend aus Gewerbe und Mehrfamilienhäusern - und beinhaltet einen Schulstandort im Süden. Parallel zur Klärung des Betreibermodells kann die Gemeinde Ahlerstedt die technischen Grundlagen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie klären. Dabei sind die Ergebnisse und Fortschritte bei Maßnahme WN6 zu berücksichtigen.
WN6: Aufbau Wärmenetz Ahlerstedt-Nord, Synergien mit Wärmenetz Ahlerstedt-Ortskern prüfen
Im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung hat sich das Gewerbegebiet im Norden Ahlerstedt als bestehendes Plangebiet von JF Energie herausgestellt. Hierbei handelt es sich um das Gebiet um die Straßen Zuckerberg und Kleine Kamp. Laut JF Energie ist eine Erweiterung um das Wohngebiet „Am Hopfenhof“ denkbar.
Die JF Energie GmbH hat bereits erste Schritte für eine Realisierung eines weiteren Satteliten-BHKWs mit angeschlossenem Wärmenetz in die Wege geleitet. Diese Bestrebungen sollten im Rahmen der Ergebnisse der Maßnahme Ü1 weiter unterstützt werden und Synergien mit Maßnahme WN5 geprüft werden.
WN7: Prüfung Wärmenetz Oerdorf (Gemeinde Ahlerstedt)
Für das Gebiet in Oersdorf gibt es bereits bestehende Planungen zum Aufbau einer Wärmenetzversorgung. Oersdorf ist ein landwirtschaftlich geprägter Ort mit überwiegend Ein- und Zweifamilienhäusern. Für die weitere Umsetzung gilt es, die Planungen der Zimmerei Meilbohm zu klären, den Unterstützungsbedarf seitens des potenziellen Betreibers aufzuklären und ggf. im Rahmen der Ergebnisse von Ü1 Unterstützung zu gewähren.
WN8: Prüfung Wärmenetzpotenzial Kakerbeck in Verbindung mit Bestandsbiogasanlagen (Gemeinde Ahlerstedt)
Im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung hat sich eine zentrale Wärmeversorgung im südlichen Teil des Ortes Kakerbeck für eine Fläche von 14,40 ha in Verbindung mit einer günstigen Wärmequelle wie der Bestandsbiogasanlage als wirtschaftlich denkbar ergeben. Kakerbeck ist ein landwirtschaftlich geprägter Ort mit überwiegend Ein- und Zweifamilienhäusern.
Im Prüfgebiet Kakerbeck soll geprüft werden, ob die vorhandenen Biogaspotenziale über ein Nahwärmenetz erschlossen werden können. Die Gemeinde Ahlerstedt übernimmt dabei die Verantwortung, das Interesse der Bewohnerschaft zu ermitteln und den Austausch mit den Biogasanlagenbetreibern aufzunehmen.
WN9: Prüfung Wärmenetzpotenzial Bargstedt Knüll, Bargstedt-Süd und Bargstedt-West in Verbindung mit Bestandsbiogasanlagen und Bestandsnetzen
In dieser Maßnahme werden sowohl die Bestandsnetze als auch die Prüfgebiete in Bargstedt und Ohrensen gemeinsam betrachtet. Dazu zählen die Bestandsnetzte Fischer Bargstedt, II und III und die angrenzenden Prüfgebiete Bargstedt Knüll im Norden, Bargstedt-West und Bargstedt-Süd. Das Gebiet hat eine Fläche von 87,42 ha, in dem sich 660 Gebäude befinden, 9 Gebäude davon sind denkmalgeschützt.
Bargstedt bietet einerseits eine sehr gut ausgebaute Wärmenetzinfrastruktur, aber auch Wärmequellenverfügbarkeit durch die bisher nicht angeschlossenen Biogasanlagen Tipke/Pott und Wohlers. Die Wärmenetzinfrastrukturen deuten darauf hin, dass eine Wirtschaftlichkeit von Wärmenetzen vor Ort möglich sein kann, wenn eine günstige Wärmequelle zur Verfügung steht. Aus diesem Grund sollten die Prüfgebiete in Zusammenarbeit mit den Betreibern genauer auf eine wirtschaftliche Realisierung weiterer Erweiterungsstufen bzw. Nahwärmenetze geprüft werden. Eine ganzheitliche Betrachtung für Bargstedt wird empfohlen.
WN10: Wärme-Bestandsnetze in Brest auf Erweiterung prüfen
Im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung hat sich die Erweiterung des bereits bestehenden Wärmenetzes der BGA in Brest als potenziell sinnvoll herausgestellt. Die Erweiterung erstreckt sich auf zwei angrenzende Gebiete im Westen, sowie im Osten des Bestandsnetzes mit einer Fläche von 10 ha, auf der sich 75 Gebäude befinden.
Das Wärmenetz in Brest weist eine Auslastung von 85 % auf. Gleichzeitig könnten durch eine Trassenerweiterung weitere Wärmequellen eingebunden und neue Anschlussnehmer dekarbonisiert werden. Es liegt bei der Gemeinde Brest hier auf den Betreiber und entsprechende Kunden zuzugehen und zu einer Klärung der Sinnhaftigkeit und Machbarkeit beizutragen. Unterstützung kann im Rahmen der der Ergebnisse der Maßnahme Ü1 gewährt werden.
WN11: Bestandswärmenetze dekarbonisieren und ggf. nachverdichten
Die Wärmenetze in der Samtgemeinde weisen nach Auskunft der Betreiber bereits eine relativ hohe Auslastung und hohe erneuerbare Anteile auf. Gleichzeitig sind innerhalb der Bestandswärmenetzgebiete nicht alle Häuser an die jeweiligen Wärmenetze angeschlossen. Beispielsweise weisen die Bargstedter und Ohrenser Wärme Gbr. sowie das Wärmenetz der Hansewerk Natur potenzielle Neukunden entlang des Trassenverlaufs auf. Es wäre sinnhaft diesen Abnehmern zum Zeitpunkt des Heizungstauschs einen Anschluss an das Wärmenetz anzubieten. Im Falle von erzeugungstechnischen oder hydraulischen Engpässen im Netz gibt es verschiedene Lösungsansätze. Eine Ergänzung der Bestandsanlagen um bspw. Wärmepumpen ist möglich, hydraulische Engpässe könnten bspw. über ein verbessertes Lastmanagement oder digtialisierte Übergabstationen & dezentrale Pufferspeicher bei den Neukunden umgangen werden. Die Lösungsansätze hierzu sind aber individuell und bedürfen entsprechender Prüfung. Die Wärmenetzbetreiber sollten bestärkt werden, die existierende Infrastruktur für weitere Abnehmer zu öffnen.
Beteiligung und Kommunikation (B)
B1: Fortführung "Runder Tisch" mit Fachakteuren als Kompetenznetzwerk
Durch die Samtgemeinde Harsefeld sollte für die Umsetzung der Maßnahmen der Kommunalen Wärmeplanung regelmäßig eine erneute Einladung des Teilnehmerkreises der runden Tische aus der Bearbeitungsphase erfolgen. So werden der Austausch zwischen den Fachakteuren gefördert und mögliche Synergiepotenziale gehoben.
B2: Ausweisung von Energie-Quartieren
Für die Gebiete mit erhöhtem Einsparpotenzial bietet es sich an, mithilfe der Ausweisung von Energie-Quartieren durch die Gemeinden die Eigentümerinnen und Eigentümer zielgerichtet bei der energetischen Modernisierung zu unterstützen sowie Information zu Möglichkeiten klimafreundlicher dezentraler Beheizung in Verbindung mit Maßnahme B3 bereitzustellen. Dies fördert zudem die Sensibilisierung und erzeugt bestenfalls Vorbild- und Nachahmungseffekte.
B3: Informationsangebote zum klimafreundlichen Heizen
Die Eigentümerinnen und Eigentümer – gegebenenfalls gemeinsam mit relevanten Fachakteuren – sollen umfassend informiert werden, um die Heizungstauschquote zu erhöhen, klimafreundliche Technologien zu fördern und den Einbau neuer fossiler Heizungen vor 2028 zu vermeiden. Die bisherigen Informationsangebote des Klimaschutzmanagements der Samtgemeinde Harsefeld werden auf Basis der Ergebnisse der Kommunalen Wärmeplanung weiterentwickelt und fortgeführt. Dazu zählen unter anderem Informationsveranstaltungen, beispielsweise mit Erfahrungsberichten von Wärmepumpenbetreibern. Zudem sollte die Webseite zur Kommunalen Wärmeplanung kontinuierlich ausgebaut werden.