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Samtgemeinde Harsefeld: Eine Klassik Reise um die Welt


Eine Klassik Reise um die Welt


Klassik-Open-Air 2015

„Wir kommen immer und das schon zum zwölften Mal“ war die Antwort auf das mal wieder kühle aber trockene Wetter der ersten Gäste in den Ruinen des ehemaligen Klosters. Jocelyne Fillion-Kelch hatte wie in jedem Jahr in die Reihen des Philharmonischen Staatsorchesters gerufen und drei sind ihrem Ruf gefolgt. Es sollte eigentlich noch ein Vierter sein, der Cellist Thomas Tyllack, doch der musste einen erkrankten Kollegen in der Philharmonie ersetzen. Da für Orchestermusiker Residenzpflicht besteht, hatte er auch keine Möglichkeit heimlich nach Harsefeld zu fliehen. Er ließ das Publikum aber mit den Worten „ich wäre lieber im kalten Harsefeld als im warmen Orchestergraben“ grüßen. Da dies sehr kurzfristig erfolgte, war das Improvisationstalent der übrigen Musiker gefragt.

 

Ein Cellosolo wurde noch kurz für Oboe umgeschrieben und niemand bemerkte, dass ein Instrument fehlte, auch wenn die Harsefelder gern Thomas Tyllack dabei gehabt hätten. Bei früheren Auftritten hat er seinen Ruf als Cellist von Rang bewiesen. Dass die anderen Vier ihr Instrument beherrschen, stellten sie auch dieses Jahr wieder unter Beweis.



„Eine Reise um die Welt“ war das Motto. Gestartet wurde in Irland mit einem traditionellen Marsch, weiter ging es über Frankreich und Venezuela nach Deutschland, wo Thomas Rohde mit seiner Oboe bei der H-Moll Suite von Bach glänzte. Außer an der Oboe weiß er ja auch als Moderator zu überzeugen. Zu Bach wusste er, dass Beethoven meinte, dass der Name „Bach“ eigentlich viel zu klein für diesen großen Komponisten sei. Er müsste eigentlich „Meer“ heißen.



Dann ging es noch weiter nördlich nach Norwegen zu Edward Grieg. Nici Juhl spielte Solo auf ihrem Piano das eher unbekannte Allegro Agitato in gewohnt hinreißender Weise. Äußerlich hatte sie sich auch dem nordischen Wetter in Harsefeld angepasst. Eine Wärmflasche sorgte für die für das Pianospiel wichtigen warmen Finger.

 

Es folgte Kanada, Jocelyne Fillion- Kelchs Heimatland, Spanien und Japan. Passend zur Kulisse spielte sie auf der Bassflöte, die sie trotz der Größe des Instruments virtuos zu handhaben wusste, „Moon over the ruined Castle“ von R.Taki.



In Israel kam dann die Stunde des Christian Seibold. Eine Klezmer Hymne auf Giora Feidman spielte er mit so viel Verve auf seiner Klarinette, dass das Publikum in Szenenapplaus verfiel. In Brasilien bei einem Samba erfuhren wir dann, dass die Klarinettennoten nicht so gespielt werden können wie aufgeschrieben, sondern vom Spieler transponiert werden müssen. Der erste Versuch schlug jedenfalls fehl und das zeigte dem Publikum, dass auch dieses hervorragende Ensemble mal einen Fehler machen kann, was, besonders wenn man Hobbymusiker ist, tröstlich sein kann.

 

Passend zur Weltreise wurde beim Klassikkonzert eine Spendenaktion für die Erdbebenopfer in Nepal durchgeführt. Bärbel Wilke, deren Tochter mit einem Nepalesen verheiratet ist, beschrieb vor dem zweiten Teil das Elend in Nepal und versprach, dass die Spendengelder bei den Menschen ankommen und nicht in schwarzen Löchern verschwinden.

Am Ende des Konzerts ging es dann in die USA, wo Thomas Rohde sein nächstes Talent offenbarte, das des Sängers. In der Zugabe gab es dann noch eine Hommage an den griechischen Wirt, der für das leibliche Wohl sorgte. „Zorba’s Dance“ ließ das Publikum von ägäischen Temperaturen träumen.

 

Zum Ende stimmte das Publikum zusammen mit Thomas Rohde das Abendlied von Matthias Claudius an. Man war wieder in Deutschland angekommen, in der Kälte.



3. Juni 2015
Aktuelles, Klosterpark